1. Goldanschlag / Aktion   "ZAHN-GOLD-ZEIT-GOLD"
25.05.1990 - Albertinaplatz, Wien
 
Goldanschlag auf den Straßenwaschenden Juden von Alfred Hrdlicka
 
 
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Aktion:
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  Wien, Albertinaplatz, 25. Mai 1990, ab 10.33 Uhr
   
    
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
  Fotos: R. Jäger / APA
  (Zwei Staatspolizisten, ein alternativer Künstler und die Zahl "27")
   
  Rückblick zur Vorgeschichte:
   
  "Der Gedanke das Symbol eines gedemütigten Menschen zu vergolden erfüllte mich mit einem Gefühl unaussprechlicher Demut und gleichzeitig mit dem Schmerz eines globalen Aufschreis derjenigen Menschen, deren Leid im Opfergold für immer eingeschmolzen bleiben wird.
"Stille Demut und lauter Schrei" das war das Spannungsverhältnis das mich in meiner darauf folgenden Arbeit zur Aktion ZAHN-GOLD-ZEIT-GOLD begleitete."
   
 
   
   
 
   
  Das Mahnmal wurde ständig von zwei Staatspolizisten und einem Kriminalbeamten observiert, erfuhr ich nach der Festnahme.
   
  Bei der Verteilung des Goldes wurde ich von einem der zwei Staatspolizisten durch die Frage "Haben sie einen Auftrag?" unterbrochen. Ich antwortete mit der Gegenfrage "Braucht man einen Auftrag um einen gedemütigten Menschen zu vergolden?" und überreichte den Staatsdienern meinen Reisepass mit der darin liegenden Kopie des Paragraph 126 "Schwere Sachbeschädigung". Dann fuhr ich mit meiner Arbeit fort. (Anm: diese Kopie erhielt ich Wochen zuvor im kriminalpolizeilichen Büro in Steyr)
   
  Bereits diese erste Frage bestätigte mir die blendende Macht des Goldes. Bei einem einfachen Farbanschlag hätte die erste Reaktion sicher anders ausgesehen...
   
  Nachdem die Skulptur zur Gänze vergoldet war wurde ich vom anwesenden Kriminalbeamten (Foto oben Nr. 20)  gefragt "Warum haben sie das gemacht?". Ich antwortete "Um einen gedemütigten Menschen zu vergolden". Darauf der Beamte "Das ist keine Vergoldung. Das ist eine Beschmutzung". Ich war in dieser Klarheit auf solch eine Festellung zwar konzeptuell vorbereitet, dennoch machte mich die Realität meiner Prognose fast sprachlos. Meine Reaktion darauf: "Sie haben gerade gesagt, dass Gold beschmutzen kann !". Seine Antwort: "Nein ! Das habe ich nicht gesagt ...Wegen der Figur das ist egal, aber beim Boden das ist Beschmutzung"...
Mit dieser Aussage war für mich das Werk getan. Die Exekutive hatte meine konzeptuelle Arbeit am Gold übernommen, bzw. die Kernaussage erkannt, und wurde somit zum Künstler.
   
  Fazit:
  Gold kann beschmutzen. Die Beschmutzung des Gedemütigten erschien weniger wichtig, als die Beschmutzung des gepflasterten Bodens. Die Demütigung in der Vergangenheit bleibt auch in der Gegenwart bestehen.
   
  Zitat aus meiner Presseaussendung vom 15.5.1990:
  (...) "Die einschreitende Exekutive wird nach Paragraph 126 amtshandeln und eine schwere Sachbeschädigung feststellen. Sie stellt fest, daß Gold beschmutzen kann und wird dadurch zum Künstler". (...)
   
  Nachtrag:

Am 27. Oktober 2017 wurde - erstmals seit 1990 - das VHS Videomaterial der Kunstaktion gesichtet. Ein 20 minütiges Video dokumentiert die Handlung.

Es ist das einzige Filmmaterial zur Aktion.
Erstmals veröffentlicht am 31.12.2017 und gewidmet A.S.:
   
 
   
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