1. Goldanschlag / Aktion   "ZAHN-GOLD-ZEIT-GOLD"
25.05.1990 - Albertinaplatz, Wien
 
Goldanschlag auf den Straßenwaschenden Juden von Alfred Hrdlicka
 
 
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Presse:  
   
  Am Nachmittag des 25. Mai 1990 wieder zurück in Steyr. Aus meiner darauf folgenden, örtlich distanzierten und daher provinzialen Sichtweise, jedoch mit globalem Goldbegriffs Anspruch (!), beobachtete ich die öffentlichen Reflektionen. Mir war bewußt, dass meine Zeit-Gold Sichtweise für manche Menschen ein heisses Thema sein könnte. Dennoch es herrschte erstaunliche Ruhe...
  Ein kleiner Einblick: Es wurde vom "Prosemitischen Attentat" bis zum "Alternativen Sprayer" berichtet...
   
  Erst sieben Jahre später, im Februar 1997, war das Nazi-Opfergold reif für die Titelseite des "Time" Magazins. Einen Link zu diesem Artikel finden Sie unter "Materialien".
  Im Rahmen des Kunstprojekts "An der Grenze des Erlaubten - Kunst und Zensur in Österreich", vom Kärntner Universitätskulturzentrum UNIKUM, wurde 1996 ausführlicher berichtet. Einen Link dazu ebenfalls unter "Materialien".
   
  Zeitgenössische Kunst ist oft der Zeit voraus.
   
 
   
  Der einzige Anruf kam Wochen später von der ORF Redakteurin Heidi Grundmann, mit der Bitte um ein Foto von der Aktion für einen Artikel in einem Deutschen Kunstmagazin:
   
Kunst-
presse
1990-06/07  Deutsches Kunstmagazin "Kunst Intern"
  "Wien ist anders! - Ist Wien anders? - Marginalien zur Wiener Kunstpolitik" von Heidi Grundmann. Seiten 46 - 48
   
   
 
   
  Auszug aus dem Artikel: (…) "Auch das Denkmal gegen Krieg und Faschismus von Alfred Hrdlicka auf dem Platz vor der Wiener Albertina wurde im Auftrag des Wiener Bürgermeisters ohne Wettbewerb und ähnliche lästige Mechanismen erstellt. Eines der Hauptprobleme des teuren aber noch immer unvollendeten Kunstwerkes: die Figur des die Straße waschenden Juden wurde von Passanten als Sitzplatz zum Jausen verwendet. Hrdlicka wollte dagegen eine Art symbolischen Stacheldraht aufstellen, der Gemeinde war das zuviel des Symbolismus, sie plädierte auf Glaswände… Während die – durch das heikle Thema und das Naturell des Künstlers verlangsamten – Verhandlungen mühsam aufrecht erhalten wurden, kam kürzlich ein gewisser Johannes Goldhoff und vollbrachte einen „Goldanschlag auf den straßenwaschenden Juden“. Er bemalte die Figur mit Goldlösung. Gold, so Goldhoff, ist „durch den immerwährenden Umschmelzungsprozeß in jedem Goldschmuckstück und in jeder Goldmünze ein aus dem Kiefer eines KZ-Insassen gebrochener Goldzahn oder ein vom toten Finger eines Stalinopfers gezogener Ring eingeschmolzen“. Ergebnis der Aktion: die Polizei amtshandelte nach einigem Zögern („Haben Sie einen Auftrag?“), beschlagnahmte den Plastikkübel, der nur noch letzte Goldfarbreste enthielt. Die Figur des vergoldeten Juden wurde entfernt, um gereinigt zu werden. P.S.: Alfred Hrdlicka hat sich inzwischen durchgesetzt: Der Rücken des gereinigten straßenwaschenden Juden ist durch Stacheldraht vor jausenden Touristen geschützt – Hunde werden auch weiterhin ihre Beine in Richtung Denkmal lüpfen können.“ (...)
   
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E
ssenz der Fotoseite: Der Goldanschlag namenlos und daher perfekt marginal.
   
 
Tages-
presse 
 
  ZAHN-GOLD-ZEIT-GOLD Kurier 1990 
1990-05-26 Kurier  "Hrdlickas Jude wurde vergoldet"
   
   "Der Aktionskünstler Johannes Goldhoff verübte Freitag vormittag auf das Mahmal Alfred Hrdlickas einen "öffentlichen Goldanschlag". Die Polizei hatte wenig Verständnis für die "Vergoldung" des "Straßenwaschenden Juden" und verhaftete den Täter. Bleibt abzuwarten, ob und wie Hrdlicka auf die Interpretation seines einst umstrittenen Denkmals durch einen anderen Künstler reagieren wird. "Es war ein prosemitisches Attentat", meint die Staatspolizei. Goldhoff ist unter Verdacht der schweren Sachbeschädigung im Arrest."
   
 
   
  Zahn-Gold-Zeit-Gold Wien Albertinaplatz - Tagblatt 1990
1990-05-26 Tagblatt  "Hrdlicka-Denkmal von Aktions-Künstler vergoldet"
   
  "Am Freitagvormittag verübte der oberösterreichische Aktionskünstler Johannes Goldhoff, 32, auf dem Albertinaplatz in Wien-Innere Stadt einen Anschlag auf das Mahnmal von Alfred Hrdlicka. Der gelernte Goldschmied aus Steyr und Absolvent der Linzer Kunsthochschule beschäftigt sich bereits seit 1985 mit dem Thema Gold. Die Bemalung des Mahnmals versteht er als einen "öffentlichen Goldanschlag" im Rahmen der "Aktion-Zahn-Gold-Zeit-Gold".
Goldhoff verteilte vorerst Flugblätter mit einer philosophischen Abhandlung über Sinn und Wert des Goldes. Dann begann der Aktionist den "Straßenwaschenden Juden" mit Goldfarbe anzustreichen. Von Passanten gerufene Polizisten vom nahen Wachzimmer Goethegasse hatten wenig Verständnis für die "Vergoldung" des Denkmals. Sie beendeten die Aktion und nahmen den Aktionskünstler fest. Goldhoff wurde der Staatspolizei übergeben. Nach einer kurzen Einvernahme wurde er wegen des Verdachts der schweren Sachbeschädigung angezeigt.
Es ist abzuwarten, ob und wie Hrdlicka auf die Interpretation seines umstrittenen Denkmals durch einen anderen Künstler reagiert. Auch ist noch unbekannt, wie das Denkmal wieder gereinigt werden kann."
   
 
Regional-
presse
 
  Kunstaktion Wien Albertinaplatz 1990
1990-06-07 Steyrer Zeitung  "Auf dem Gold klebt Blut"
   
  "Gold hat den Mythos von reinem, edlem Metall, Gold gilt als Abglanz der Sonne auf der Erde. Doch ist Gold nicht vielmehr ein Symbol der menschlichen Verfehlungen? Gold - Geld löst Gier nach Besitz aus. Durch den immerwährenden Umschmelzungsprozeß ist in jedem Goldschmuckstück, in jeder Goldmünze eine winzige Spur ein aus dem Kiefer eines KZ-Insassen gebrochener Goldzahn, ein vom Finger eines Stalinopfers gezogener Goldring, der den Inkas mit blutiger Gewalt geraubte Goldschmuck eingeschmolzen. Am Gold klebt Blut. Am Glanz des Goldes darf also gekratzt werden.
Das sagt der Steyrer Künstler Johannes Goldhoff, der dies mit einer Reihe von Aktionen auch tut, die er "Tellaura Anachtonismos - Die Rückkehr des Goldes zur Erde" nennt. In der Pfarrgasse in Steyr etwa versenkte er drei goldglänzende Messingstangen mit dem Durchmesser einer Schillingmünze. Jedesmal wenn sich ein Passant nach den drei vermeintlichen Geldstücken bückt, ist die Möglichkeit zur Bewußtwerdung des wahren Wertes von Gold gegeben.
  In Wien verübte Johannes Goldhoff am Freitag, 25. Mai, einen öffentlichen Goldanschlag auf den "Straßenwaschenden Juden". Durch eine Presseaussendung war die Aktion angekündigt. Kriminal- und Staatspolizei wartete zum angegebenen Zeitpunkt (10:33) vor dem Hrdlicka-Mahnmal auf dem Albertinaplatz, doch hinderte den Künstler niemand an seinem Goldanschlag. Johannes Goldhoff wickelte acht Steine (sie stammen vom Ölberg in Jerusalem) in zwei schwarze Segeltücher, die er neben den Straßenwaschenden Juden legte. Dann schüttete er selbst hergestelltes Bindehautgold in einen Wasserkübel. Die goldfarbene Flüssigkeit leerte er über das Mahnmal. Erst als fast alles Gold verpinselt war, schritten die Polizisten ein. Goldhoff wurde in das Staatspolizeiliche Büro gebracht, zu seiner Aktion befragt und dann von den offensichtlich ratlosen Beamten wieder freigelassen.
  "Der vergoldete Straßenwaschende Jude ist für mich ein Synonym für Goldwäscher - dem Gold zum Opfer gefallene Menschen - auch Kriege werden mit Gold finanziert", erklärt der Künstler, warum er sich ausgerechnet das Hrdlicka-Denkmal für seine Aktion ausgesucht hat. "Nur unsichtbares, in der Erde ruhendes Gold ist rein, durch den Kontakt mit den Menschen wird es unrein. Gold ist ein Symbol der Lüge. Ich kann mit einer Lüge nicht in ein neues Jahrtausend gehen", so Johannes Goldhoff, der hofft, mit seinen Aktionen einen Bewußtseinsprozeß in Gang zu setzen."
   
 
Wochen-
presse
 
  Was mich ärgert - Die mißglückte Provokation
1990-07-20 Wochenpresse  "Was mich ärgert - Die mißglückte Provokation"...
   
  Auszug aus dem Artikel von Marta S. Halpert:  
  "Jetzt ist er wieder da: Der gehsteigwaschende Jude in Bronze wurde selbst sauber geschrubbt, wieder auf matt poliert, von menschlichem Unrat und hündischen Verrichtungen befreit. Ein goldsprayender Alternativkünstler war aber noch nicht das Schlimmste, was die Figur über sich ergehen lassen mußte. Gedrungene Männer stellten herrisch einen Fuß in den Nacken des Juden und ließen sich photographieren; Models räckelten sich verführerisch wie auf einem Turnbarren, manche ruhten sich auf der Figur nur aus, andere verschlangen ihren Hamburger ebendort. Nach dem Sprayer war endlich Handeln angesagt: Die Stadt Wien bekniete den Künstler, sich irgendeinen Schutz auszudenken. (...)"
   
 
   
  Die Stacheln vom Albertinaplatz - Profil 1990
1990-07-26 Profil "Die Stacheln vom Albertinaplatz"
   
  Auszug aus dem Artikel von Robert Buchacher:
  (...) Die Aufstellung des Originals vor rund zwei Jahren hat den Streit um etliche Facetten bereichert. Ahnungs- und daher gedankenlose Touristen ließen sich jausnend und colaschlürfend auf des Juden Buckel nieder, Einkaufsbummler stellten ihm ihre Tasche ins Genick, Hunde markierten seine Ecken.
Nachdem ein Aktionist den Bronzeblock mit Goldfarbe besprüht hatte, wurde die Hrdlicka-Skulptur Ende Mai zur Reinigung und Überarbeitung abtransportiert. Am Dienstag der Vorwoche meldeten die Gazetten: Der Jude schrubbt wieder den Albertinaplatz.
(...)
   
 
   
6 Jahre
danach...
















An der Grenze des Erlaubten - UNIKUM 1996
1996 "An der Grenze des Erlaubten - Kunst und Zensur in Österreich", Seiten 42,43,137
Ein Projekt des Universitätskulturzentrums UNIKUM, Klagenfurt.
Gesamter Artikel als .pdf unter "Materialien"
   
 
   
TIME
Magazin

7 Jahre
danach...










Echoes of the Holocaust - TIME 1997-02
Februar 1997 "Echoes of the Holocaust"
  Gesamter Artikel als.pdf unter "Materialien"
   
 
   
   
   
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