1. Goldanschlag / Aktion   "ZAHN-GOLD-ZEIT-GOLD"
25.05.1990 - Albertinaplatz, Wien
 
Goldanschlag auf den Straßenwaschenden Juden von Alfred Hrdlicka
 
 
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Reaktion: ZEIT und GOLD    Kunst und Prozessbezogenheit ....  > Reaktionskunst
   
  Die Essenz:   GOLDENER STACHELDRAHT AUF DEM (heutigen) HELMUT ZILK PLATZ
   
  > Es gilt zu bedenken, dass vor dieser Aktion die Begriffe Opfergold und Totengold noch nicht in der Öffentlichkeit präsent waren und dieser Goldanschlag der Auslöser für die Jahre später erfolgten Restitutionszahlungen war ... ZEIT-GOLD-KUNST ...
   
  Die Medienreaktion reichte vom "Prosemitischen Attentat" bis zum "Alternativen Sprayer". Als einzige Kontakt-Reaktion erhielt ich von der ORF Redakteurin Heidi Grundmann einen Anruf mit der Bitte um Zusendung eines Fotos von der Aktion. Tiefere Einblicke unter "Presse".
   
  Das Interesse an der Geschichte des Goldes war gering. Die Macht des Tabus der jüngeren Goldvergangenheit war noch zu stark. Die Wahrheit maskierte sich als Peinlichkeit. Das Raubgold, das Nazigold, das Opfergold, das Zahngold, das Zeitgold, das Goldene Kalb.
   
  Die erste Reaktion des Kriminalbeamten mit der Bestätigung des beschmutzendes Goldes genügte mir. Im Titel und im Ort der Aktion vereinte sich meine Kernaussage.
   
  Die von mir geplante Reinigung wurde durch den Abtransport der Skulptur verhindert.
   
  Die eigentliche Kunst lag in der Reaktion der Öffentlichkeit. Ich wurde zum Beobachter.
   
  Anfang September (Briefdatum 24. August 1990) erhielt ich, als erste offizielle Reaktion, ein Schreiben vom Magistrat Wien (MA 7 Kultur) mit einer preisgeprüften Rechnung der Reinigungskosten. Als Beleg wurde ein "fast zu Tode" kopierter Zettel beigefügt.
   
  Brief Magistrat Wien MA 7 - Goldanschlag Albertinaplatz          Preisgeprüfte Rechnung - Goldanschlag Reinigung
   
  Auf diese erste amtliche Reaktion reagierte ich mit einer Schenkung an die Stadt Wien, die ich in einem Schreiben von 27. Sept. 1990 Herrn Bürgermeister Dr. Helmut Zilk mitteilte:
  (...)"Hiermit erlaube ich mir, höflichst, der Stadt Wien mein Werk ZAHN-GOLD-ZEIT-GOLD und die daraus resultierenden historischen Mutationen und ethischen Sublimierungen zu schenken."(...)
   
  Zeit Gold Schenkung an die Stadt Wien 1990
   
  Bürgermeister Dr. Zilk reagierte auf meine Reaktion mit einem Schreiben (2. Nov. 1990) in dem er folgendes feststellte:
  (...)"Nach meiner Ansicht und nach jener der von mir zu Rate gezogenen Experten, handelt es sich bei der von Ihnen unter obigem Titel durchgeführten Aktion der Bemalung des straßenwaschenden Juden eindeutig um eine Sachbeschädigung, die sich keineswegs mit "Freiheit der Kunst" oder ähnlichen Motivierungen entschuldigen läßt. Sie haben ein aus Steuergeldern errichtetes, öffentliches Denkmal mit Goldfarbe beschmiert..."(...)
   
 
   
  Auf diese Reaktion, reagierte ich demütig und unfrei mit der Abgabe meiner beschädigenden Goldarbeit an einen Anwalt und beobachtete die weiteren Reaktionen.
  Das Ergebnis war für mich nicht erstaunlich. Durch die mir bereits bekannten Fakten des (Ver)Schweigens der peinlichen Goldwahrheit rechnete ich mit einer Verschleppung und Verstummung der Sachlage. In einem Brief meines Anwalts (21. Jänner 1991) stand dann als Endergebnis folgende Reaktion:
  (...)"Ich kann Dir die erfreuliche Mitteilung machen, daß das gegen Dich eingeleitete Strafverfahren eingestellt wurde"(...)
   
 
   
  Das Verfahren war eingestellt. Die Reinigungskosten wurden nicht eingefordert. Die amtliche Reaktion blieb systemorientiert, ruhig, unauffällig, peinlich berührt. Mein Geschenk an die Stadt Wien blieb in Wien. Meine Arbeit am Goldbegriff ging weiter - Prozessorientiert, Menschenorientiert, Personenorientiert, unbeirrt.
   
 
   
  Einige Jahre später wurde das Opfergold zum Thema von internationalem Interesse. Es führte zur Aufarbeitung der Geschichte des Nazigoldes und zu Restitutionszahlungen. Zeit-Gold... Als Höhepunkt der Zeit-Gold Reaktion zeigte sich ein Hakenkreuz aus Goldbarren, am Cover des TIME Magazins, im Februar 1997. (siehe als .pdf unter "Materialien")
  Sieben Jahre nach meiner Aktion am Albertinaplatz hatte ich wieder dieses Gefühl, wie am Tag der Aktion, am 25. Mai 1990: "Der Gedemütigte schien zu lächeln".
   
  Die Peinlichkeit des Goldanschlags...
  Die Zeit der Goldwahrheit...
  Die Provinzialität der Metropole...
   
 
   
  Im Zuge einer anderen expressiven Kunstreaktion, am 24. Dezember 2010, in der sich ebenfalls die Spannung und Polarität von Systemorientierung und Personenorientierung widerspiegelte, führte mein prozessorientierter Kunstzugang zum Kauf der Reaktionskunst Domain  www.reaktionskunst.com .
  Mein damaliger Merksatz:
"Je starrer die Bürokratie umso flexibler die Reaktionskunst Therapie".
     
   
   
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