10 Jahre ARTAUSTRIA Kunstmesse

 in Gold...

eine Hommage                                       

courtesy Kunsthaus Wiesinger

www.kunsthaus-wiesinger.at

prozessorientiertes
Konzept

JAG 2017 

Arbeitsfoto Detail Ein/Blick in den „Goldenen Käfig“ des ArtAutria-Plakatmotivs

Ort   Wien, Gartenpalais Liechtenstein, ARTAUSTRIA, Sala terrena

Zeit   24. - 26. März 2017

Art    Hommage an „10 Jahre ARTAUSTRIA“

10 Jahre ARTAUSTRIA - Hommage in Gold - Kunstprojekt 
 

Zugang

 

Der einladenden Idee von Herrn Dr. Ernst Popp (Kunsthaus Wiesinger)10 Werke zu schaffen, doch diesmal ohne Bodengold Installation, gerne folgend erschien folgender prozessorientierter Zugang:

 

Vergoldung des ARTAUSTRIA Plakats 2017   =  Verdeckung

Entgoldung des ARTAUSTRIA Plakats 2017    =  Erhöhung

 

10 Wandobjekte als Hommage an 10 Jahre ArtAustria

 

Es ist das erste Mal in meinem Bodengold-Werkorganismus, dass ich die Ebene der konzeptuellen Bodeninstallation verlasse und gestalterisch tätig in visuell goldene Wandobjekt Strukturen eingreife/eintrete...

 

Ein interessanter konzeptioneller Zugang zu neuen Möglichkeiten in technisch-schöpferischer wie technisch-materieller Hinsicht tat sich mir auf.

 

Jedoch:

 

Ich bin kein Vergolder!

Wo die Arbeit des Vergolders seine Vollendung findet, beginnt meine Arbeit. Das visuelle Erscheinungsbild ist mir grundsätzlich kein Anliegen...

 

Dennoch:

 

Meine Verneigung vor dem Plakatmotiv der 10. ARTAUSTRIA.

Auf gut Wienerisch „Gschamster Diener“ !

"Die Schönheit teilt sich weder unmittelbarer Einfühlung noch naiver Beobachtung mit. Beide Vorgehensweisen versuchen, die Hülle zu heben oder durch die Hülle hindurchzuschauen. Zur Anschauung des Schönen als Geheimnis gelangt man nur durch die Erkenntnis der Hülle als solcher. Man muss sich vor allem der Hülle zuwenden, um das Verhüllte zu erkennen. Die Hülle ist wesentlicher als der verhüllte Gegenstand."   (Byung-Chul Han "Die Errettung des Schönen", 2015, S. 40)

 

Bildinhalt

 

Die Verbindung von Ort, Zeit und Art war schon immer das Wesentliche meiner Konzeptarbeit.

 

Der aktuelle Ort der Kunstmesse - das Gartenpalais Liechtenstein - und im Besonderen der vorgeschlagene Präsentationsort für die 10 Wandskulpturen: eine 3,80 hohen Wand, direkt nach dem Eingang, zwischen den zwei Stiegenhäusern und vor der „Goldenen Kutsche“, ergab interessantes Konzept-Material.

Ich habe das Palais Liechtenstein noch nie zuvor betreten. Eine Internetrecherche über die örtliche Situation der Sala terrena, bzw. die beiden Stiegenhäuser, blieb nur bedingt erfolgreich. Das ließ mich einen Steyrer Freund und Künstlerkollegen (Daniel Hilgert / Künstler „KollektivNN“) kontaktieren, der meines Wissens 2 Jahre lang diese Stiegenhäuser restaurierte und auch langjährig im Stammschloss in Liechtenstein tätig war. Ich erfuhr von ihm, dass die Deckenfresken - eines heller, das andere dunkler - die Freuden und Leiden des jungen Fürsten thematisieren sollen, so war damals die Rede...

 

Logische Konsequenz war die Teilung der 10 Wandskulpturen in zwei Blöcke.

 

Linker Block „Leiden“, rechter Block „Freuden“.

 

Leid und Freud, Licht und Schatten, Hell und Dunkel, Arm und Reich, Tag und Nacht... Alles polare Begriffe die sich doch so geschwisterlich nahe sind. Gedanken an den polaren Goldbegriff drängen sich auf...

In späterer Folge fand ich dann doch vertiefende Information über das Freskenthema. Die Anlehnung an den jungen Fürsten, Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein, und die polaren Bezüge blieben für mich bestehen.

Gold hat in den Religionen und Mythologien, wie auch in militärischen (kriegerischen) Eigenschaften einen verbindenden, zeitlosen - auch ambivalenten - Aspekt.

 

Zitiert aus dem .pdf Dokument, gefunden (Goldraub) auf der Homepage:

www.palaisliechtenstein.com

 

„Die Freskenausstattung im Gartenpalais Liechtenstein“:

 

DAS FRESKO IM ÖSTLICHEN TREPPENHAUS: DIE AUFNAHME DES MILITÄRISCHEN GENIES IN DEN OLYMP

Das Deckenfresko im östlichen Treppenhaus des GARTENPALAIS Liechtenstein stellt auf einer Fläche von

etwa 220 Quadratmeter beinahe den kompletten klassischen Götterhimmel dar. Die Komposition umfasst

drei Hauptgruppen, die, mit Rücksicht auf die wechselnden Blickpunkte des Treppenhauses, gegeneinander

um 90 Grad gedreht angeordnet sind. Bezug nehmend auf die zentrale Darstellung, in der ein Knabe – zu

deuten als Verkörperung des militärischen Genies des Erbauers des GARTENPALAIS, Fürst Johann Adam

Andreas I. von Liechtenstein – von der Göttin Minerva in den Götterhimmel getragen wird, trägt das Fresko

den Titel „Aufnahme des militärischen Genies in den Olymp“. Diese so genannte Apotheose wird durch einen

Genius symbolisiert, der dem Knaben Lorbeerkranz und Palmzweig reicht, darunter spielen zwei Putti mit der

Keule des Herkules.

DAS FRESKO IM WESTLICHEN TREPPENHAUS: DER STURZ DER GIGANTEN

Im westlichen Treppenhaus ist der Kampf der Giganten gegen die Götter dargestellt. Im Mittelpunkt steht

Zeus, von einem Adler getragen, der sein Blitzbündel gegen die Giganten richtet. Wie hinter einer

Wolkenbank als Schild stehen Mars, Venus, Merkur und Diana – das Geschehen verfolgend. Minerva wirft

sich sehr viel aktiver in den Kampf, sie schützen nicht die Wolken, sondern ein prächtiges Medusenbild. Im

Gegensatz zu den schönen Körpern und Gesichtern der Götter stehen die kraftstrotzenden Leiber der

Giganten, die ineinander verschlungen ihren Kampf gegen die Götter führen. Mächtige Steine stemmen sie,

um sie gegen die Götter zu schleudern. Großartig ist die Komposition: Ist sie im östlichen Treppenhaus auf

die Mitte konzipiert, bewegen sich hier die Figuren aus den Rändern in die fast noch leere Mitte hinein.

 

 

Format und Material

Das Plakatmotiv wird im Originalformat von 59,4 x 42 cm

auf 5mm ESG in Dimax Technik

(by Lang+Lang) gedruckt.

Glasformat  79 x 49 cm.

 

79 ist die Ordnungszahl für Gold im Periodensystem der Elemente und definiert die Höhe des Objekts.

Im Goldenen Schnitt berechnet, ergibt sich eine Breite von 48,82571 cm mit gerundeten 49 cm.

 

Der Plakatmotiv-Abstand vom oberen Glasrand beträgt 7,9 cm.

Als Material zur Blattvergoldung verwende ich seit jeher „23 Karat Dukaten Doppelgold“ in „Sturmgold“-Ausführung. Der „Doppelgold“-Begriff bekommt in diesem Projekt eine interessante Bedeutung. Wird er zum goldenen Käfig?

 

Als Vergoldergrund dient das Kölner Instacoll-System für Hochglanzvergoldung außen.

 

 

Technik

 

Die vollkommen neue Arbeitsweise, Bildinhalte beidseitig völlig zu vergolden und dann eigenhändig wieder freizulegen, stellte mich vor ein interessantes Spannungsfeld, das es zu bewältigen galt.

 

Ein wesentlicher Faktor meines Kunstkonzepts ist die Einbindung des Menschen an sich – bewusst oder unbewusst – als schöpferisches Wesen. Dies reflektiert sich in den Bodengold-Installationen und späteren Wandobjekten. Dieser Faktor entfällt nun...

 

In Form und Technik der Bearbeitung steht für mich bei diesem Projekt die Materialehrlichkeit besonders im Vordergrund. Mit Materialehrlichkeit in Bezug auf das Element Gold meine ich den Blick auf die Menschheitsgeschichte in ihrer Verbindung mit Gold wie auch auf die Ressource des Goldes.

 

Wenn ich Gold sehe, sehe ich den MENSCH.

 

Die Entgoldung kann daher konsequenterweise nur mit expressivem technischem Einsatz erfolgen: Schaben/Goldschürfen, Hacken/Goldgestein, Erdreich, Treten/Mensch, Weg, „Polieren“/Schlagen, Verdichten, Schmerz...

Goldminen Arbeiter Technik...

 
 

"Polieren"
 
 

Druckkonzept

 

Leiden:   Fünf Motive werden im Original gedruckt, mit Weiß hinterlegt

 

Nur der Rand bleibt transparent.

Das Plakatmotiv dominiert klassisch visuell als PR Medium. Die Rückseite visuell abstrahiert, weiß. Nur die Mundspalte zeigt sich als feine plastische Erhöhung in einer weißen Fläche...

 

Freuden:   Fünf Motive werden ohne Weiß gedruckt

 

Wo auf dem Plakat Weiß sichtbar war, ist nun transparentes Glas.

Das Motiv verschmilzt mit dem gläsernen Bildträger. Entmaterialisierung... Rahmenlos, unbegrenzt...

 

 
 
 

Vergoldung

 

Ich vergolde und entgolde mit Gedanken und Gefühlen an die Menschen in den Goldminen und an die Menschheitsgeschichte im Goldkontext...

 

Anstelle des herkömmlichen feinhaarigen Grundierungswerkzeugs verwende ich nun eine porige Schaumstoffrolle zum Auftragen des Vergoldergrundes. Es entsteht eine Untergrundstruktur, die in ihrer Unregelmäßigkeit und Plastizität an eine Hautoberfläche erinnern darf.

 

Eine porige Goldgrund-Oberfläche, möglicherweise mit ungeschminkten „fehlerhaften Unreinheiten“, ist willkommen – ist näher beim Mensch an sich.

 

Alle zehn Objekte werden beidseitig mit „23 Karat Dukaten Doppelgold“ blattvergoldet. Der „Doppelgold“-Begriff bekommt hier eine interessante Bedeutung...

 

Als erster Schritt werden alle zehn Objekte auf der Rückseite vergoldet.

 

 

        

       

Leiden

Freuden

revers

avers

avers

revers

 

In klassischer Vergoldungstechnik würde sich nun eine ästhetische goldene Spiegelfläche zeigen. Herkömmlich als „Erhöhung“ eines Motivs gesehen. Ich unterbreche den Vergoldungsablauf. Der übliche Schlussvorgang des Polierens mit Vergolderpinsel und Watte und des „Ausbesserns“ wird nicht ausgeführt.

 

Meine Finger-Andruckspuren bleiben als Duktus erhalten, sind spürbar. Ich prägte für diese Vergoldungstechnik den Kunstbegriff „Übergoldtechnik“.

 

Es zeigt sich eine hochsensible Blattgoldoberfläche mit leicht überstehenden Rändern, die sich sanft in der Zugluft bewegen, sich lösen und zur Erde zurückkehren können. Die zarten Blattgoldteilchen, das „Übergold“, darf sich an den formgebenden „Übergummi“-Begriff in der Autoreifenproduktion anlehnen. Das Gold soll „verfliegen“, zur Erde zurückkehren – Katharsis.

 

   

„Übergold“

 

Makroaufnahme

   

 

Vergoldung der Vorderseite

Das Konzept-Coverbild zeigt eine Detailaufnahme aus der Arbeitssituation bei der Blattvergoldung der vorderen Glasfläche. Ein/Blick in das Doppelgold...

 

Rechts oben im Bild ist noch ein Teil des Plakatmotivs zu sehen...

 

...Ein Mundfragment...

 

Der Vergoldungsakt der Vorderseite erzeugte in mir ein seltsames Gefühl.

Ist es ein Einsperren des Bildinhaltes? Ist es vielleicht ein goldener Käfig?

 

In Bezug auf mein Kunstkonzept - das keinen Wert auf das visuelle Erscheinungsbild legt - wäre das Werk hiermit in stringenter Weise vollendet.

 

Entzug der Sichtbarkeit und dennoch Anwesenheit... Geheimnis...

 

 

Entgoldung

 

Wie schon im Kapitel „Technik“ erwähnt, kann die Entgoldung nur mit expressivem technischem Einsatz erfolgen: Schürfen, Hacken, Schlagen, schmerzhaftes Polieren... Vielleicht eine neue „Goldschürfer-Technik“...

 

Das Polieren erfolgt expressiv, mittels intensivem, teils schmerzhaftem Aufschlagen der Zeigefingerkuppe auf die Übergold-Oberfläche.

Es entsteht eine schillernde goldene Spiegelfläche...

 

Das Objekt wird zur Goldmine...

 

 

Bearbeitung und Hängung

 

Zwei Blöcke dreigeteilt.

In der Mitte 4 Objekte, Links und Rechts 3 Objekte.

 

Auf allen Werken ist das ARTAUSTRIA Logo und das Palais Liechtenstein Logo zu sehen – vom Gold befreit.

 

Mittelwand:

 

In der goldenen Mitte teilen sich die zwei Blöcke von Leiden und Freuden.

Die zwei mittleren Objekte sind nur auf der Rückseite vergoldet. Diese Werke tragen den Titel „Hochachtung“.

Als die ersten zwei Objekte bereit zur zweiten Vergoldung waren, stellte ich diese zur Seite. Es war der visuelle Eindruck der Ästhetik des Plakatmotivs und des klassischen Goldhintergrunds, der mich zaudern ließ, mich blendete.

Ich ließ es gelten...

Die zwei Werke links und rechts davon tragen den Titel „Befreien“. Als Kontrast zu den ersten zwei Objekten wurden diese Werke intensiv abgeschabt. Der Goldschürfprozess dominiert.

Das ARTAUSTRIA-Plakatmotiv wurde vom Gold befreit - Das Motiv erhöht.

 

 

Seitenwand rechts „Freuden“:

 

3 Objekte. Ein Triptychon der Freuden.

Das linke Werk trägt den Titel „Digital“. Es wurde geschürft, geschlagen (poliert) und gehackt. Nur bei diesem Werk ist als Ersatz für das ARTAUSTRIA-Logo die Webadresse „freigehackt“.

 

Das mittlere Werk trägt den Titel „Spüren“. Es wurde geschürft,geschlagen, gehackt und mit Füßen getreten. Der emotional expressive Aspekt stand im Vordergrund.

 

Das rechte Werk trägt den Titel „Sehen“. Es wurde geschürft und geschlagen.

Eine vertikale Schürflinie führt von der Sponsorebene zum Ort der Kunstmesse. Die Horizontale Linie befreit die Sicht auf das Wesentliche...

 

 

Seitenwand links „Leiden“:

 

3 Objekte. Ein Triptychon der Leiden.

Gleiche Titel, gleiche Technik wie das obige Triptychon. Nur beim mittleren Objekt wurde der Übergang vom ARTAUSTRIA-Logo zum menschlichen Motiv zehnmal vergoldet und wieder freigehackt.

 

 

Signatur

 

Wie es der „Zufall“ wollte, fand ich vor wenigen Wochen zwei alte Reiseköfferchen aus den 50er Jahren. Tausende Fotos aus der Jugendzeit meiner Eltern waren der Inhalt dieses „Zeit-Goldschatzes“.

 

Eine Serie noch nie veröffentlichter Fotos meiner Mutter beim Ziselieren der Pummerin in der Glockengießerei St. Florian waren auch dabei.

 

 

Es war eine logische Weiterentwicklung des „Zufalls“, dass ich in eine alte Werkzeugdose griff, um ein geeignetes Signaturwerkzeug für die 10 Objekte zu finden. Ich dachte an eine Reißnadel und hielt plötzlich eine schmale Punze in den Händen. Ein „T“ für Trude (Gertrude Angerbauer, geborene Stolz) war darin eingeschlagen.

 

Mit der Punze, die die Pummerin „schön“ machte (Ein Zeitungsartikel über meine Mutter mit der Überschrift „Ich mache die Pummerin schön“ lag auch im Köfferchen) wurden nun alle 10 ARTAUSTRIA-Hommage-Werke signiert...

 

Eines davon auf beiden Seiten...

Ein goldener Zeitkreis hat sich geschlossen.

 

Für die Seite verantwortlich ©  johannes angerbauer-goldhoff 2017

www.social.gold

 
Die Werke sind im Kunsthaus Wiesinger erhältlich 
www.kunsthaus-wiesinger.at
 
http://www.parnass.at/aktuelles/10-art-austria-im-gartenpalais-liechtenstein
 

Rückblick zu "Gold, Weihrauch und Frohsinn", 2016

 
 
review
 
 
ARTAUSTRIA 2017 - Palais Liechtenstein - Eingang Gold Hommage
 
Es war mir ein Ehre!
 

Doch leider wurde kurzfristig am Tag vor der Eröffnung die geplante dreiteilige Wandsituation auf die mittlere Nische reduziert. Dadurch wurden Teile der Konzeptarbeit zunichte. Einige Besucher der Kunstmesse gratulierten mir und teilten mir mit, dass sie dachten die goldenen Werke im Eingang seien Teil der Präsentation des Messeveranstalters und als Auftragsarbeit für die erstmalige Messepräsenz der ARTAUSTRIA im Palais Liechtenstein entstanden...

Der Einblick in die  Konzeptarbeit klärt Hintergründe.